Dienstag, 24. Februar 2015

Der wahre Mut des Karikaturisten

"Paris, Kopenhagen, was kommt als nächstes?" möchte man fragen. Die Frage, die wir uns darüber hinaus stellen müssen ist nicht: "Was darf Satire?" mit der Reflexantwort : "Alles!". Das ist in demokratisch verfassten Staaten aus grundrechtlicher Perspektive eine Selbstverständlichkeit. Terroristische Fanatiker, die deshalb morden, zeigen nicht nur, dass sie diese Grundrechte verachten, sondern, dass sie allen Menschen, die nicht ihres Geistes sind, das in allen Kulturen und Religionen universale Recht auf Leben absprechen. Dies gilt es gemeinsam zu bekämpfen. Die große Qualität der Freiheit liegt aber auch darin, dass sich unabhängig vom Grundrecht der Meinungsfreiheit der Einzelne fragen kann: Wo schränkt mein Tun die Würde eines anderen Menschen ein? Wo unterstützt mein Tun nichts weiter als gesellschaftliche Spaltung und Vorurteile? Wer angesichts einer Terror-Ideologie, die sich islamischer Versatzstücke bedient, Mohammed-Karikaturen zeichnet, weiß dass er auch Muslime verletzt, deren gemeinsames Handeln mit uns zur Prävention und Abwehr gegen den Terror notwendig ist.
Insofern sind die Mohammed- Karikaturisten wie Lars Vilts und Kurt Vestergaard, sowie von Charlie Hebdoo keine Speerspitzen der Meinungsfreiheit, sondern Erscheinungsformen dieser, die auch die muslimische Community immer gleichmütiger erträgt. Sie artikulieren keinen Mut, sondern Angst! Deshalb war es auch seltsam, dass vor vier Jahren Kurt Vestergaard den SWF - Medienpreis ausdrücklich für seine Mohammed-Karikaturen mit der Begründung "Zivilcourage" erhielt. Laudatorin war damals übrigens, unsere Bundeskanzlerin. Reicht es wirklich die ewig gleich beantworteten Reflexdiskussionen um die Legitimität extremer Meinungsäußerungen und ihre inakzeptable Beantwortung durch Terror als zentrales Thema zu setzen?
Wir könnten uns stattdessen mit der ganzen Vielfalt unserer Gesellschaft und ihrer Argumente und Perspektiven fragen, wie wir als demokratisches Europa unserer aufgeklärten Selbstverpflichtung nachkommen. Fast alle europäischen Länder sind durch demokratische politische Entscheidungen in den Bereichen Innen-, Wirtschafts- und Außenpolitik im letzten Jahrhundert Einwanderungsländer geworden. Ob nun deshalb, weil unsere wirtschaftlichen oder demographischen Bedürfnisse einen Bedarf an Einwanderern generierten oder weil unsere Außenpolitik durchaus beteiligt war an der Entstehung von Krisen, die Flüchtlingswellen hervorbrachten ist dabei zweitrangig. Es verpflichtet uns aber alle miteinander, kulturell, religiös und weltanschaulich vielfältige und "bunte" Gesellschaften nicht nur zu tolerieren, sondern als aufgeklärte und demokratische Lebensform in unseren Ländern zu akzeptieren und aktiv mitzugestalten. Das ist die beste Vorbeugung gegen Extremismus und Terrorismus. Denn dadurch können wir zusammen die wirklichen Probleme lösen und die "Benefits" gemeinsam "ernten".
Salafismus, Pegida und Mohammed-Karikaturisten haben bei allen Unterschieden gemeinsam, dass sie die Freiheit, die sie einfordern nur in ihrem Sinne sehen können und die Freiheit demokratisch verfasster Staaten durch Angst ersetzen wollen. Dagegen erhob am 26.01.15 Neemi al Hassan, eine junge deutsche Muslima, mutig ihre Stimme. Übrigens wer wirklich sehen will, was Karikaturisten mit Zivilcourage zu tun haben, der google unter "Ali Ferzat" einem syrischen Karikaturisten, dem Bascher al Assdas Geheimdienst 2011 die Hände für seine jahrelangen regimekritisch gezeichneten Karikaturen brechen ließ.
Unten seine erste Karikatur danach aus dem Krankenhaus. Darunter der Clip mit Neemi al Hassan.

Freitag, 3. April 2009

US-Präsident Obama in Baden-Baden

Der Besuch Barack Obamas in Baden Baden bietet Gelegenheit an eine Brücke für die Demokratie zu erinnern, die auf unserer Seite des Atlantiks oft nicht mehr präsent ist.
Nach der durch die Belagerung der Rastatter Festung niedergeschlagenen demokratischen Revolution von 1848/49 flohen viele der Abgeordneten der deutschen Nationalversammlung, aber auch viele Revolutionäre und deren Vordenker in die USA.
Erinnert sei an dieser Stelle nur an Friedrich Hecker, den Anführer des badischen Aufstandes. Ebenso auch Karl Schurz, "Fourty-Eighter" aus dem Rheinland. der 1877 unter US-Präsident Rutherford B. Hayes zum "Secretary of the Interior" ernannt wurde. Sein politischer Werdegang begann, wie der Heckers in der damals jungen republikanischen Partei als Unterstützer Abraham Lincolns. Friedrich Hecker war bei der Wahl 1861 neben Lincoln selbst, der zweite Wahlmann für den Staat Illinois. Beide waren als Offiziere der Unionsarmee aktiv im Amerikanischen Bürgerkrieg und unterstützten die Gegner der Sklaverei, die Abolitionisten, und Lincoln federführend bei der Abschaffung der Sklaverei. Hecker starb 70 jährig,hochgeachtet in Summerfield/Illinois(!) im Jahr 1881.
Carl Schurz, im Jahr 1860 der Mitbegründer der Republikanischen Partei , war bis ins hohe Alter politisch aktiv. Er starb im Alter von 77 Jahren 1906 in New York. Carl Schurz hatte sich nicht nur für die Befreiung der Sklaven eingesetzt, sondern auch als "Secretary of the Interior" die Rechte der Indianer gesetzlich festgeschrieben und sie als gleichberechtigte Bürger behandelt.
Dieses Erbe aus der demokratischen Revolution von 1848 ist ein wichtiger Pfeiler jener transatlantischen Brücke, über die Barack Obama heute nach Baden-Baden kommt. ( Read more: href="//www.germanamericanpioneers.org"> )

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